Was ist Love Bombing im Bewerbungsprozess?
Du kommst aus dem Vorstellungsgespräch und fühlst dich wie der geilste Kandidat aller Zeiten? Der Hiring Manager hat dir erzählt, du wärst "genau die Person, nach der wir gesucht haben" – und das nach 15 Minuten Smalltalk? Glückwunsch, du wurdest gerade love-gebombt.
Love Bombing kennen die meisten aus toxischen Beziehungen. Aber dieselbe Taktik nutzen auch Arbeitgeber, um verzweifelt Stellen zu besetzen – besonders wenn die Fluktuation durch die Decke geht. Sie überschütten dich mit Komplimenten, unrealistischen Versprechungen und einem Jobangebot, bevor du überhaupt "Work-Life-Balance" sagen kannst.
Das Problem? Sobald du unterschrieben hast, lösen sich die Versprechen in Luft auf wie Axels Homeoffice-Politik nach der Probezeit.
So erkennst du Love Bombing bei der Bewerbung
Love Bombing im Recruiting hat ein paar typische Muster. Hier sind die Red Flags, auf die du achten solltest:
- Übertriebene Komplimente ohne Substanz: "Du bist der beste Bewerber, den wir je gesehen haben!" – nach einem 20-minütigen Gespräch ohne Fachfragen.
- Sofortiges Jobangebot: Kein zweites Gespräch, keine Bedenkzeit, kein "Wir melden uns". Nur: "Wann kannst du anfangen?"
- Unrealistische Benefits: "Unlimited Urlaub! Homeoffice wann du willst! Gehaltserhöhung nach 3 Monaten garantiert!" – alles mündlich, nichts schriftlich.
- Druck, schnell zu entscheiden: "Das Angebot gilt nur bis morgen" oder "Wir haben noch andere Kandidaten in der Pipeline".
- Vage Jobbeschreibung: Sie schwärmen von der "tollen Teamkultur", aber was du konkret machen sollst? Keine Ahnung.
- Ignorieren deiner Fragen: Du fragst nach Überstunden, Kündigungsfristen oder dem letzten Mitarbeiter – wird abgeblockt mit "Mach dir da mal keine Sorgen".
Real talk: Wenn ein Arbeitgeber seriös ist, nimmt er sich Zeit für den Bewerbungsprozess. Qualität braucht kein Love Bombing.
Warum machen Arbeitgeber das?
Love Bombing ist kein Zeichen dafür, dass du ein krasser Kandidat bist. Es ist ein Zeichen dafür, dass die Firma ein massives Problem hat:
- Hohe Fluktuation: Die Leute rennen weg wie bei einem brennenden Festival. Sie brauchen dringend Ersatz.
- Toxische Arbeitskultur: Normale Bewerber durchschauen den Laden nach 5 Minuten Recherche. Also muss man dich emotional überwältigen.
- Unrealistische Erwartungen: Der Job ist eigentlich ein 60-Stunden-Albtraum für drei Personen. Aber das sagen sie dir erst nach der Probezeit.
- Schlechtes Employer Branding: Kununu-Bewertungen im Keller? Dann muss man im Gespräch halt oversellen.
Kurz gesagt: Verzweiflung riecht man durch die Zoom-Kamera.
Was passiert nach dem Love Bombing?
Spoiler: Die Honeymoon-Phase endet schneller als dein erster Urlaubsantrag abgelehnt wird. Sobald du unterschrieben hast, kippt die Stimmung:
- Die Versprechen verschwinden: "Unlimited Urlaub" wird zu "Naja, das Team braucht dich halt gerade". Homeoffice wird zu "Anwesenheitspflicht ist uns wichtig".
- Die Erwartungen explodieren: Plötzlich sollst du drei Positionen gleichzeitig ausfüllen – für ein Gehalt.
- Gaslighting beginnt: "Wir haben nie gesagt, dass du nach 3 Monaten mehr Geld bekommst. Das hast du falsch verstanden."
- Die Schuld liegt bei dir: Wenn du nicht performst wie ein Overachiever, bist DU das Problem – nicht die unrealistischen Erwartungen.
Klassisches Muster toxischer Beziehungen: Idealisierung → Entwertung → Ausnutzung.
So schützt du dich vor Love Bombing
Du musst nicht jedes Jobangebot annehmen, nur weil jemand nett zu dir war. Hier sind ein paar Strategien:
- Fordere alles schriftlich: Benefits, Gehaltserhöhungen, Homeoffice-Regelungen – wenn's nicht im Vertrag steht, existiert es nicht.
- Recherchiere die Firma: Kununu, Glassdoor, LinkedIn. Was sagen ehemalige Mitarbeiter? Wie lange bleiben Leute im Schnitt?
- Stelle unbequeme Fragen: "Warum ist die Stelle frei?" "Wie hoch ist die Fluktuation im Team?" "Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?"
- Nimm dir Bedenkzeit: Ein seriöser Arbeitgeber gibt dir 48-72 Stunden zum Überlegen. Wenn nicht – Red Flag.
- Zweites Gespräch einfordern: Du willst das Team kennenlernen? Den Arbeitsplatz sehen? Absolut legitim.
- Trust your gut: Wenn's sich komisch anfühlt, ist es wahrscheinlich komisch. Dein Bauchgefühl ist kein Hater.
Und denk dran: Ein guter Arbeitgeber muss dich nicht manipulieren, um dich zu überzeugen. Die zeigen dir einfach, warum es sich lohnt – mit Fakten, nicht mit Feelgood-Bullshit.
Fazit: Wenn's zu gut klingt, ist es das meistens auch
Love Bombing im Bewerbungsprozess ist eine Manipulationstaktik verzweifelter Arbeitgeber. Sie wollen dich emotional ködern, bevor du merkst, dass der Job ein Disaster ist. Die Red Flags sind klar: übertriebene Komplimente, sofortige Angebote, Druck zur Entscheidung und vage Versprechen.
Deine Strategie? Bleib skeptisch, fordere Beweise und nimm dir Zeit. Ein Job ist eine Beziehung auf Augenhöhe – keine Liebesbombe, die nach drei Monaten explodiert.
Falls du dir unsicher bist, ob dein aktueller oder potenzieller Chef toxisch ist: Mach unseren anonymen Bossometer-Test. Dauert 2 Minuten, kostet nix, und Axel wird nie davon erfahren.